I. Vorhangfassaden
Vorhangfassaden sind Fassadenkonstruktionen, die mehrere Gebäudegeschosse überdecken. Sie bestehen aus tragenden Rahmenkonstruktionen aus Metallprofilen mit Verglasungen oder ausfachenden Festfeldern. Die komplexe Struktur wird in der Regel von außen an das Tragwerk des Gebäudes angehängt. Eine Vorhangfassade kann jedoch auch geschossweise zwischen zwei Geschossdecken eingespannt werden. Gängige Typen von Vorhangfassaden sind Pfosten-Riegel-Fassaden, SSG-Fassaden (Structural Sealant Glazing) und punktgehaltene Fassaden; es existieren jedoch auch seltener genutzte oder veraltete Konstruktionsarten.
- Sandwichpaneel-Vorhangfassaden bestehen aus rahmenlosen, metallbedeckten und wärmegedämmten Sandwichelementen. Sie sind repräsentativ für die 1970er und 1980er Jahre. Ihre Steifigkeit erhalten sie durch Pressen, Abkanten oder Profilieren des Metalls, wobei die Glasscheiben mit fahrzeugbauähnlichen Techniken in die Paneele eingebaut werden. Diese Paneele können an das Tragwerk angehängt werden. Auf eine fachgerechte Abdichtung zwischen den einzelnen Paneelen ist besonders zu achten.
- Strukturell betrachtet bestehen Pfosten-Riegel-Fassaden (oder Fassaden mit sichtbarer Rahmenebene) aus Pfosten und Riegeln, die als vertikale und horizontale Profile ausgeführt sind. Die vertikalen Profile (Pfosten) werden über in mehreren Achsen justierbare Stahlbeschläge an den Geschossdecken oder Stützen befestigt. Die horizontalen Profile (Riegel) werden durch Verschrauben oder Schweißen mit den vertikalen Profilen verbunden. Zwischen diesen Profilen werden Scheiben oder Festfelder eingesetzt, und die Deckprofile der Tragschienen dichten die Stoßfugen ab. Die sichtbaren Profile prägen die Fassade stark und verleihen ihr eine klare Rasterung. Sie können aus der Verglasungsebene hervortreten oder bündig mit dieser abschließen.
- SSG-Fassaden (Structural Sealant Glazing / Ganzglasfassaden) sind strukturell identisch mit dem grundlegenden Pfosten-Riegel-System. Der Unterschied besteht darin, dass die Tragschienen nicht sichtbar sind, sondern hinter der Verglasung liegen. Zwischen den Glaselementen entstehen filigrane Linien, sogenannte Dichtungsfugen, die der Glasfassade ein homogeneres Erscheinungsbild verleihen.
- Elementfassaden integrieren das Pfosten-Riegel-System in vorgefertigte Bauteile für eine schnelle Montage vor Ort. Die vertikalen und horizontalen Profile bilden Rahmen, und die Rahmenelemente werden auf der Baustelle zusammengefügt. Einzelne Elemente können verglast oder mit unterschiedlichen Materialien ausgefacht werden. Die Elementgrößen können mithilfe von Koppelprofilen oder Zwischenriegeln auf bis zu 4 x 4 Meter vergrößert werden. Sprossen oder Trennriegel sind erforderlich, wenn der Baustoff innerhalb eines Elements wechselt, beispielsweise um ein Element mit einer geschlossenen Brüstung im unteren Bereich und einer Verglasung im oberen Bereich auszuführen.
- Punktgehaltene Vorhangfassaden befestigen die Glasscheiben an punktuellen Halterungen über spezielle Beschläge, sogenannte Punkthalter oder Spinnensysteme (Spider-Halterungen), an der Unterkonstruktion. Die Glasscheiben können ohne Bohrung über Klemmhalter an den Ecken fixiert oder direkt über Punkthalter in Bohrungen befestigt werden. Wie bei anderen Fassadentypen können die Befestigungselemente punktgehaltener Glaswände an Stahlbetondecken oder -stützen angeschlossen oder über Seilkonstruktionen fixiert und aussteift werden. Zwei Seillösungen sind hierbei:
- ein Seilnetz aus horizontalen und vertikalen Drahtseilen mit Punkthaltern an den Knotenpunkten, oder
- Seilsysteme ähnlich vertikalen Fachwerkträgern, bei denen die Seile zwischen den Geschossdecken und den Befestigungselementen gespannt werden.
II. Dachflächenfenster
Dachflächenfenster sind spezielle Fenster für den Dachgeschossausbau in Gebäuden mit geneigten Dächern. Sie folgen in der Regel der Dachebene, obwohl es mittlerweile Produkte gibt, die sich beim Öffnen in kleine Austrittsbalkone verwandeln lassen, die aus der Dachebene herausragen. Idealerweise stimmt der Sparrenabstand mit der gewünschten Fensterbreite überein. Bei größeren Fenstern kann das Auswechseln eines Sparrens (Einbau eines Wechselsparrens) erforderlich werden. Umgekehrt kann bei kleineren Fenstern eine seitliche Aufdopplung des angrenzenden Sparrens notwendig sein. Der Blendrahmen des Dachflächenfensters liegt auf der Unterkonstruktion der Dachdeckung auf. Ein Eindeckrahmen verbindet den Rahmen mit der Unterspannbahn, den Dachziegeln und den Eindeckelementen. Die Öffnungsart kann als Klapp-Schwing- oder Schwingflügel ausgeführt sein, je nach Position des Handgriffs mit oberer oder unterer Bedienung.
Einbau von Dachflächenfenstern
Dachflächenfenster sollten vorzugsweise zeitgleich mit dem Dach eingebaut werden. Häufig erfolgt der Einbau jedoch nachträglich, beispielsweise im Zuge eines Dachgeschossausbaus.
In beiden Fällen läuft der Einbau von Dachflächenfenstern wie folgt ab:
- Wechsel und Hilfssparren zwischen den Hauptsparren einbauen
- Unterspannbahn einschneiden und zurückklappen
- Montagelatten unterhalb und oberhalb des Fensters anbringen
- Blendrahmen an den Montagelatten und Dachlatten befestigen und dabei die zurückgeklappte Unterspannbahn fixieren
- Regenrinne/Ablaufblech oberhalb der Fensteröffnung in der Unterspannbahn ausbilden
- Dämm- und Anschlussschürze um den eingebauten Rahmen anbringen
- Unterer Eindeckrahmen-Schürzenanschluss positionieren und über die Dacheindeckung überlappen lassen
- Alle restlichen Abdeck- und Eindeckrahmenteile auf der Rahmenkonstruktion montieren
- Dachdeckung (Ziegel) um das neue Dachflächenfenster herum wiederherstellen oder ergänzen
- Fensterflügel einsetzen und justieren
- Wärmedämmung und Dampfsperrschicht im Innenraum anbringen und anschließen