Eine allgemeine Regel in der modernen Dachdeckungspraxis besagt, dass sich hinter der primären Deckschicht eine zweite wasserführende Ebene befindet. Hierbei handelt es sich um das Unterdach, welches aus Unterspann- beziehungsweise Unterdeckbahnen oder Abdichtungsbahnen bestehen kann, wobei Bahnen auf der Unterkonstruktion die gängigere Lösung darstellen. Die Unterdeckbahn wird von meterbreiten Rollen direkt über den Sparren verlegt – mit einer Überlappung von 20 cm, verlaufend von unten nach oben. Dieses Unterdach stellt sicher, dass bei extremen Wetterverhältnissen oder Beschädigungen der Eindeckung eindringender Niederschlag sicher vom Tragwerk abgeleitet wird. Die Bahn wird durch das Aufnageln der Konterlattung auf den Sparren fixiert. Auf der Konterlattung werden anschließend die Traglattung oder die Schalung befestigt, auf denen die finale Eindeckung verlegt wird. Der durch die Konterlattung entstehende freie Luftraum (Hinterlüftungsraum) nimmt eine wesentliche Funktion ein: Er ermöglicht die Durchlüftung des Bereichs zwischen der primären Deckung und dem Unterdach. Der Nutzen dieser Hinterlüftung ist zweifach: Sie dient zum Austrocknen von eingedrungenem Außenwasser sowie von aus dem Innenraum kondensierter Feuchtigkeit und bietet zudem sommerlichen Wärmeschutz gegen die Überhitzung der Konstruktion und des Innenraums. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit der Unterdeckbahn. Anhand dieser Eigenschaft unterscheiden wir zwischen diffusionsoffenen und diffusionsdichten Bahnen:
- Bei einfachen, nicht ausgebauten Dachräumen kann eine diffusionsoffene Bahn verwendet werden, die über den First geführt wird. Dies ermöglicht es dem im Dachraum entstehenden Wasserdampf, durch die Bahn in den hinterlüfteten Hohlraum zu diffundieren. Diese Konfiguration wird als einschalig belüftetes Dachsystem bezeichnet.
- Wird eine diffusionsdichte Bahn eingesetzt, muss die Bahn kurz vor dem First unterbrochen werden. Ein zusätzlicher Bahnenstreifen wird über den First gelegt und auf der Oberseite der Konterlattung mit einer Überlappung von 10–15 cm zur darunterliegenden Bahnenkonstruktion befestigt. Diese Ausführung sorgt für eine zusätzliche Entlüftung des Dachraums. Dies entspricht dem Modell eines zweischalig belüfteten Dachs.
Für moderne, genutzte Dachgeschosse oder ausgebaute Dachräume kommt ausschließlich die einfachere, einschalig belüftete Variante mit diffusionsoffener Unterdeckbahn zum Einsatz. Hierbei kann der zur Verfügung stehende Zwischensparrenraum vollständig mit mineralischem Dämmstoff gefüllt werden, was für den Wärmeschutz des Innenraums essenziell ist. Es muss zudem sichergestellt werden, dass die Zwischensparrendämmung vor dem Wasserdampf aus dem Innenraum geschützt wird; daher ist raumseitig – typischerweise in der Ebene unterhalb der Gipskartonbekleidung – eine Dampfbremse beziehungsweise Dampfsperre erforderlich.Ein weiteres wesentliches Element moderner Dachdeckungen ist die fachgerechte Ausführung der Spengler- und Anschlüsse an kritischen Punkten der Dachfläche, wie etwa:
- Kehlen
- Ortgängen
- Durchdringungen (Dachaufbauten, Dachflächenfenstern, Kaminen)
- Traufbereichen
- Wandanschlüssen
Eine weitere Kernaufgabe an der Traufe besteht darin, das abfließende Wasser in der Dachrinne zu sammeln und über ein Regenfallrohr abzuleiten. Dachrinnen und Fallrohre können aus Zinkblech, verzinktem Stahlblech, Aluminium oder Kupferblech gefertigt werden. Die gefalzten Elemente der halbkreisförmigen oder kastenförmigen Dachrinne werden mit Rinnenhaltern an den Sparren befestigt. Von der Dachrinne fließt das gesammelte Niederschlagswasser über den Einhängestutzen in das Fallrohr, welches unterhalb der Traufe als Schwanenhals ausgebildet und mit Rohrschellen sowie Stockschrauben an der Wand befestigt wird. Schließlich muss die Traufunterseite verkleidet werden, was typischerweise durch eine Schalung, Nut-und-Feder-Schalung oder eine Traufkastenkonstruktion erfolgt. Arbeitsabläufe bei der Verlegung kleinteiliger Deckungen:
- Aussparen der Sparrenenden zur Aufnahme der Traufschalung.
- Montage der Traufbohle/Traufschalung und der Ortgangbleche (Giebelschalung).
- Verlegen der Unterdeckbahn im Verband und Sichern mittels Konterlattung, unter Ausbildung der Belüftung im Firstbereich.
- Befestigen des Traufbretts und der Traglattung.
- Montage der Dachrinne mit Rinnenhaltern (mit 2,5–3 % Gefälle), Zusammensetzen der Fallrohre und Ausbilden der Schwanenhälse.
- Ausbilden der Ortgangbleche und Eindecken der Durchdringungen.
- Eindecken und Befestigen der Dachziegel. Lüfterziegel werden nahe dem First platziert, Firstziegel werden auf dem First fixiert.
- Positionieren der Firstlatte mittels Firstlattenhaltern.
- Verlegen des Firstlüftungselements/Firstrollbandes und Befestigen der Firstziegel.