Im folgenden Beispiel wird der Bau eines zweifach stehenden Pfettendaches gezeigt – mit Walmdach auf der einen Seite und Satteldach auf der anderen. Die Ausführung kombiniert traditionelle Zimmermannsverbindungen mit modernen Verbindungsmitteln. Traditionell sind unter anderem: Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen der Stützen, schrägen Streben und Kopfbänder, Anschlüsse von Pfetten, Stützen und Stuhlschwellen, Vogelschnitt der Sparren auf den Pfetten. Ingenieurmäßige/modernere Lösungen sind unter anderem: Verankerung von Fußpfetten und Stuhlschwellen mit Ankerstiften und Befestigung von Sparrenbändern und Kehlbändern mit Schraubbolzen. Der Dachstuhl liegt auf einer monolithischen Stahlbetondecke.
1. Vorbereitungsphasen
Der erste Schritt beim Dachstuhlbau ist die Auswahl geeigneter Baustoffe. Das ist wichtig, weil gleichbleibende Holzqualität schwerer sicherzustellen ist als bei vielen anderen Baustoffen. Bei falscher Lagerung kann Holz verderben, sich verformen, reißen, schimmeln, von Pilzen oder Insekten befallen werden oder faulen. Daher sind richtige Lagerung, trockene Umgebung und Brandschutz entscheidend. Ausgewähltes Holz muss gleichmäßig gehobelt sein, über die Länge einen standardisierten Querschnitt haben und darf nicht verdreht, befallen oder gerissen sein.
Vor dem Einbau muss das Holz mit brandschutzhemmenden, fungiziden und insektiziden Mitteln behandelt werden. Die Behandlung kann durch Tauchen, Sprühen oder Streichen erfolgen – nach den empfohlenen Verdünnungen, Auftragsmengen und Schichtzahlen. Die Mittel sind häufig eingefärbt (z. B. blau, grün, gelb) oder farblos.
Holzelemente (Balken, Bohlen, Latten) müssen auch auf der Baustelle sachgerecht gelagert werden: Sie werden mit Querleisten gestapelt, seitlich mit Abständen (Luftspalt) für Belüftung. Der Stapel muss vom Boden erhöht sein, um Wasseransammlungen darunter zu vermeiden. Oben wird er mit einer Plane gegen Niederschlag geschützt, sofern keine überdachte Lagerung möglich ist.
Für präzises Anreißen und Vorfertigen wird eine Abbund-/Anrissfläche im Maßstab 1:1 vorbereitet. Das kann eine ausreichend große, ebene, waagerechte gepflasterte oder geflieste Fläche sein. Wenn möglich, dient die oberste Geschossdecke des Gebäudes als Anrissfläche. Ist das nicht möglich, wird die Fläche vor Ort aus Balken und Bohlen hergestellt.
2. Anreißen und Vorbereiten der Dachkonstruktion
Auf der Anrissfläche (oder einer anderen geeigneten horizontalen Fläche) wird anhand des tatsächlichen Bauzustands eine 1:1-Zeichnung des geplanten Dachquerschnitts erstellt. In der Zeichnung müssen die erforderlichen Schnitte für die Verbindungen dargestellt sein. Bauteile, deren exakte Maße in den üblichen Schnitten nicht sichtbar sind, werden nach den Regeln der darstellenden Geometrie in die Projektionsebene gedreht (Ansicht). Anschließend wird jedes Bauteil in seine Position gelegt, und die Schnittlinien für Ausklinkungen/Abträge werden an Sparren, Balken usw. angerissen. Auch Bohrungen und Holzverbindungen werden markiert. Werkzeuge: Zimmermannsbleistift, Schnellzwingen, Lineal, Zimmermannswinkel.
Auf einer separaten Werkbank wird das Holz exakt nach den Anrissen zugeschnitten – inklusive Kerben, Aussparungen und Bohrungen. Werkzeuge: Handbohrer, Akkuschrauber, Kreissäge, Kettensäge, Handhobel, Kettenstemmer, Schneidführung, Sägebock.
Nach Zuschnitt und Bearbeitung werden die zusammengehörigen Teile zurück auf die Anrissfläche gebracht und die Passgenauigkeit durch Probezusammenbau geprüft. Sind Verbindungen ungenau und entstehen große Fugen, müssen die Schnitte korrigiert werden. Ist das nicht möglich, müssen neue Teile aus neuem Holz gefertigt werden.
3. Aufrichten der Dachkonstruktion
Mit der Montage darf erst begonnen werden, wenn die oberste Geschossdecke sowie alle mit dem Dach verbundenen gemauerten oder betonierten Bauteile (z. B. Brandwände, Schornsteine, Abgaszüge usw.) fertiggestellt sind. Bei einer Dachboden-/Deckenplatte müssen die Ankerbolzen für Fußpfetten oder Stuhlschwellen bereits vor dem Betonieren eingesetzt werden.
Zu Beginn werden Balken und andere Holzteile auf die Decke transportiert – meist durch Bündeln und Hochziehen. Auf größeren Baustellen erfolgt das Heben per Kran unter Berücksichtigung der sicher lagerbaren Mengen.
Die Montageschritte:
Während der gesamten Ausführung werden Maßband und Wasserwaage zur exakten Positionierung sowie zur Kontrolle der Horizontalen und Vertikalen verwendet.
- Die Montage beginnt mit dem Ausrichten der Fußpfette und Stuhlschwellen.
Dazu werden 20–25 cm breite Streifen einer Abdichtungsbahn auf die Ankerbolzen des Ringbalkens aufgefädelt.
Falls nötig, werden an den Fußpfetten die Bohrungen für die Ankerbolzen hergestellt.
Dann werden die Fußpfetten in der durch die Anschlüsse vorgegebenen Reihenfolge aufgesetzt und schließlich mit Unterlegscheiben und Muttern am Ringbalken befestigt.
- Anschließend werden Stützen und schräge Streben aufgestellt; Stützen benötigen ggf. eine provisorische Aussteifung in zwei Richtungen.
- Dann werden die Pfetten auf die Stützen gelegt und mit Kopfbändern verstärkt.
- Die Hauptbinder werden durch Einbau der Sparrenbänder hergestellt.
- Der Firstbalken wird mit den Kehlbändern fixiert.
- Danach werden die Gratsparren aufgerichtet und an den Pfetten befestigt.
- Zum Schluss werden die übrigen Binder aufgestellt, mit Kehlbändern gesichert und die Sparren des Walmteils befestigt.